Freitag, 22. Mai 2015

Exhausted | Manchmal ist es besser zu gehn.

"Ich bin so froh, wenn ich meinen Job kündigen kann!" sagte ich letzten Sommer, als ich dich traf. Du - immerzu über deinen Job jammernd - hattest mich mit der Jammerei angesteckt.

Am Mitwoch hatte ich dann meinen letzten Arbeitstag. Die Zeit davor war ganz sonderbar.
Die Kündigung ist mir wahrlich nicht leicht gefallen - ich habe mich aus irgendeinem grund ziemlich schlecht gefühlt. Ich mag meine Kollegen und meine Klienten sehr - wie kann ich sie denn jetzt alleine lassen? Füheln sie sich vielleicht vor den Kopf gestoßen, weil ich finde, dass die Arbeit und ich nicht mehr passen? Wie reagieren sie auf den Bezeihungsabbruch?
Auf der anderen Seite war ich mit der Qualität meiner Arbeit nicht (mehr) zufrieden. Das Studium nimmt mich doch sehr in Anspruch, ich verlor den Überblick über das Leben der Klienten, war nur noch eine kurze Zeitspanne pro Woche erreichbar und hatte einfach generell den Eindruck das flexible Konzept des Betreuten Wohnens passt nicht mit dem starren Konzept der Uni zusammen. Auch, wenn ich das mal anders eingeschätzt habe.
Aber komme ich mit weniger Geld aus? Wie viel Geld brauche ich eigentlich? Wie viel Geld ist "nice to have"? Wofür gebe ich eigentlich Geld aus? (Ich rechnete viel und beschloss dann, dass ich ein paar Monate ohne Job gut leben kann). 

Kurz: Vor dem Moment der Kündigung hatte ich ziemliche Angst - aber danach viel ganz viel Last von mir ab. Ich war viel entspannter - im Grunde musste nur der verbleibende Monat sinnvoll mit den Klienten gestaltet werden - keine großen Projekte mehr, keine Versuche, irgendetwas zu ändern.

"Ich habe meinen Job gekündugt!" war im letzten Monat der Satz, den ich am meisten gesagt habe. Meistens mit viel Freude, so wie der Smiley, der lacht und die Arme nach oben reißt.
Bis auf:
Ich saß in der Mittagspause vor der Uni, ziemlich müde und erschöpft, als eine Freundin fragte, ob ich denn nicht mit streiken würde. Kopfschüttelnd erklärte ich "Ich habe gekündigt und die zwei Mal würde ich gerne noch mal meine Klienten sehn". Ich glaube, ich hörte mich ziemlich müde und abgekämpft an.
Und da wusste ich wieder: Trotz dem ganzen Spaß den ich im letzten Monat mit den Klienten hatte - Soziale Arbeit ist anstrengend und mir persönlich grade zu anstrengend.

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